Carsten Reichert

IceBucketChallenge – Ich sage JEIN!

Am heutigen Tag hat es mich auch erwischt – ich wurde für die IceBucketChallenge nominiert.

Schon seit einigen Tagen habe ich die Aktion, zunächst amüsiert, dann verwundert und heute beinahe schon genervt/frustriert beobachtet. Kein Zweifel, es sieht schon amüsant aus, wenn sich Bekannte oder Prominente nass machen. Und die Idee, der Welt ein kurzes Gefühl zu geben, wie es ist, an ALS erkrankt zu sein, hatte durchaus auch etwas für sich. Dennoch fühle ich, dass das durchaus ernste Anliegen der Aktion zunehmend verloren geht. Das Nassmachen, der Spaß durch das Weiternominieren und das Ergötzen an den „Outtakes“ treten mir zu stark in den Vordergrund. Deswegen sage ich: NEIN – zumindest zu Eiswasser aus Kübeln auf meinem Haupt.

Ich will, ebenso wie es Tagesschau-Frontfrau Linda Zervakis gesagt hat, auch kein „Spalter der Nation“ sein. Ich sage durchaus JA – zu Spenden! Ich bin bereits einigen Organisationen ideell, aber auch finanziell, verbunden. Dabei sind mir v.a. die Aspekte Nachhaltigkeit und Inklusion besonders wichtig. Julia Probst, eine gehörlose Bloggerin, hat in einem Beitrag sehr deutlich gemacht, wieso die IceBucketChallenge insgesamt zu kurz greift. Ich kann mich ihr weitestgehend anschließen. Wenn übermorgen die Videos versanden, was hat sich dann in unserer Gesellschaft nachhaltig verändert? Ist unsere Welt etwas inklusiver geworden? Ich befürchte nicht.

Deshalb habe ich mich entschlossen, eine monatliche Dauerspende für die Aktion Mensch einzurichten. Der Mainzer Verein setzt sich seit nunmehr 50 Jahren dafür ein, das „selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft“ zu fördern und „dass Barrieren in der Umwelt und im Denken verschwinden“. In meiner Zeit im Jugendring haben wir selbst schon Projekte zur Inklusion aufgelegt, die dadurch gefördert wurden. Und wenn ich mir die Aktionslandkarte so ansehe, dann sind die Engagements durchwegs längerfristig und lokal wirkend. Das imponiert mir mehr als ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit in den (neuen) Medien.

Fühlt euch alle nominiert, euch für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen. Macht Diversität, auch abseits von Behinderung, zur Normalität. Dafür müsst ihr euch nicht notwendigerweise mit Wasser übergießen oder Summen jedweder Größe spenden. Engagiert euch vor Ort, öffnet eure und anderer Augen für Barrieren und Hindernisse.

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